Lindenthal blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf etwa 1350, doch die Ursprünge reichen vermutlich noch weiter zurück. Als typisches mittelalterliches Straßendorf mit einer Kirche – wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert erbaut – war Lindenthal über Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt.

Die Dorfkirche wurde in den Jahren 1720/21 im barocken Stil umgestaltet und später Gustav-Adolf-Kirche genannt – eine Erinnerung an den schwedischen König Gustav II. Adolf, der 1631 bei Breitenfeld einen bedeutenden Sieg errang.

Bis 1815 gehörte Lindenthal zum Kurfürstentum Sachsen. Trotz der politischen Umbrüche nach dem Wiener Kongress blieb der Ort Teil des Königreichs Sachsen. Während der Napoleonischen Kriege wurde das Dorf 1806 und erneut 1813 von französischen Truppen geplündert und war in die Ereignisse rund um die Völkerschlacht bei Leipzig involviert. Ein Gedenkstein erinnert noch heute daran.

Mit der Industrialisierung wandelte sich auch Lindenthal. 1892 wurde eine Windmühle errichtet, und 1911 entstand am Ortsrand ein Flugplatz. Dort waren zeitweise die Sächsischen Flugzeug-Werke ansässig – Lindenthal wurde zum Luftfahrtstandort. In der Zwischenkriegszeit prägten der Bau des Rathauses (1921/22), das Volks- bzw. Ökobad (1922–24) und die Eingemeindung des Nachbarortes Breitenfeld (1923) die Entwicklung des Orts.

Ein dunkles Kapitel der Ortsgeschichte liegt im Jahr 1945, als kurz vor Kriegsende 53 Häftlinge in Lindenthal ermordet wurden. Das Denkmal der 53 erinnert an dieses Verbrechen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lindenthal Teil der DDR und blieb es bis zur Wiedervereinigung. 1999 wurde der Ort schließlich nach Leipzig eingemeindet.

Heute bewahrt Lindenthal trotz seiner Zugehörigkeit zur Großstadt einen dörflichen Charakter. Historische Bauten wie die Gustav-Adolf-Kirche oder die Windmühle sind erhalten geblieben, und wo einst ein Exerzierplatz war, lädt heute ein Erholungswald zum Spazieren ein – Lindenthal verbindet Geschichte, Natur und Lebensqualität auf ganz besondere Weise.

Lindenthal auf einer Karte von 1863
Lindenthal auf einer Karte von 1863 // Von H. Kunsch – Sächsische Staats- und Landesbibliothek (SLUB) Dresden: http://digital.slub-dresden.de/id1889491888, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151828444
Luftbildaufnahme von Lindenthal
StadtAL, 0522 (Fotosammlung Eberhard Mai), Nr. 7266
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